8.06.2020

Folge 1: Das Leben segnen

Podcast

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​Segnen anerkennt die Wirklichkeit

​So wichtig retten und helfen auch sind: segnen ist auch dann möglich, wenn es nichts mehr zu retten und zu helfen gibt.

​Hier kannst du den Beitrag hören

​Die großen Botschaften kommen in kleinen Portionen

Viele einfache und gewöhnliche Dinge, die wir tun, können das Leben anderer tiefgreifend beeinflussen. Ein unverhoffter Telefonanruf, ein freundlicher Blick über den Corona-Abstand hinweg, die Bereitschaft aufmerksam zuzuhören. Ich nenne das Segnen. Wir teilen etwas von dem Segen aus, der in allen Dingen wohnt. Wir können sogar völlig Fremde segnen und von ihnen gesegnet werden. Die großen Botschaften kommen in kleinen Portionen und sie können das Vertrauen in die Welt wieder herstellen. In Indien sagt man zur Begrüßung Namaste, das bedeutet: ich sehe die göttliche Gegenwart in dir. Dasselbe rückt auch unser schwäbisches Grüß Gott aus. Im Zen verneigt man sich stumm. Die zusammengelegten Hände bedeuten: alles ist eins. Solche kleinen Rituale tun gut und wir brauchen sie in diesen Zeiten besonders.

Zu beschäftigt, um den Segen zu erkennen​

Oft lassen wir uns von der äußeren Erscheinung eines Menschen täuschen, von seinem Alter, seiner Krankheit, seinem Zorn oder seiner Gewöhnlichkeit. Oder wir sind zu beschäftigt um zu erkennen, dass es in jedem Menschen einen Ort des Gutseins und der Integrität gibt, wie tief der auch vergraben sein mag. Wir haben es zu eilig und sind zu zerstreut, um innezuhalten und dieses Ortes bewusst zu werden. Erkennen wir die göttliche Gegenwart in allen Menschen und Lebewesen und in allen Dingen, dann fachen wir mit unserer Aufmerksamkeit diese Gegenwart an. Sie wird uns bewusst.

Sich der göttlichen Gegenwart in allen Dingen bewusst werden

Wir stärken damit die göttliche Gegenwart in uns und in anderen, ganz gleich wie tief und wie lange sie schon vergraben ist. Wenn wir jemand segnen, dann berühren wir das ungeborene Gutsein und bekräftigen es. All das Ungeborene in uns und in der Welt bedarf der Segnung. Die Menschen, die das Leben segnen und ihm dienen, finden einen Ort des Geborgenseins und der Kraft, eine Zuflucht vor einer Weise zu leben, die sinnlos, leer und einsam ist.

Indem wir das Leben segnen kommen wir einander und auch unserem eigenen authentischen Selbst näher. Werden Menschen gesegnet, dann entdecken sie, dass ihr individuelles Leben wichtig ist, dass sie etwas in sich tragen, das der Segnung wert ist. Wenn du andere segnest, findest du vielleicht heraus, dass dasselbe auch für dich gilt.

Segnen hört nicht auf, auch wenn es nichts zu retten oder zu helfen gibt

Segnen ist etwas anderes als Helfen oder Retten. Helfen oder Retten sind gut, aber das Segnen hört auch dann nicht auf, wenn es nichts mehr zu helfen oder zu retten gibt. Wenn wir freigebig mit unseren Segnungen umgehen, nimmt das Licht in der Welt zu, um uns herum und in uns. In unserer hochtechnisierten Welt kann es leicht geschehen, dass wir unsere eigene Güte vergessen und mehr Wert legen auf unsere Fähigkeiten und Kompetenzen. Aber die Welt wird nicht durch unsere Kompetenz wieder hergestellt. Mehr als von unserer Kompetenz könnte die Zukunft davon abhängen, ob wir dem Leben treu zu sein vermögen. Wieder zu lernen, einander zu segnen, das ist heute wichtiger denn je.

Sich mit dem Leben anfreunden

Um die Welt wieder in Ordnung bringen zu können, müssen wir vielleicht eine tiefere Verbindung zum Leben um uns herum finden. Wahrscheinlich müssen wir an die Stelle unserer Jagd nach mehr Kompetenz die Fähigkeit treten lassen, uns mit dem Leben anzufreunden, genau so wie es uns entgegenkommt.

Die Kraft, die Welt in Ordnung zu bringen trägst du bereits in dir. In der Seelsorge sehe ich das immer wieder. In jedem Menschen schlummert diese Kraft, auch bei den psychisch Kranken, denen ich in der Klinik begegne. Wenn dich jemand segnet, dann ist das eine Erinnerung an die Güte, die in die wohnt. Es waren nur die Knoten aus Meinungen, Furcht und Selbstzweifel, die dich von deiner eigenen Güte getrennt haben. Lösen sich diese Knoten auf, bist du frei, selbst zu segnen und Segnungen von allem um dich herum, zu empfangen.

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