Enneagramm

Das Enneagramm ist ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis. Das alte Modell von neun Persönlichkeitsstrukturen mit ihren Ängsten, Leidenschaften, Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten unterstützt dabei, das eigene Leben und unsere Beziehungen tiefer zu verstehen. Es öffnet für Essenz, unsere wahre Natur.

 

Die alte spirituelle Weisheitslehre des Enneagramms in Verbindung mit moderner Psychologie ist ein sehr wirkungsvolles und hilfreiches Instrument, um sich selbst und andere zu verstehen. Das Enneagramm unterstützt  inneres Wachstum bis hin zum Erwachen. Es wird möglich, zu erkennen, was ich nicht bin. Dadurch kann aufscheinen, was ich wirklich bin: Frieden, Bewusstheit, Stille, grenzenlose Liebe.

Die Menschen sind verschieden. Doch alle Menschen sind mit einem Körper, Verstand und Gefühlen ausgestattet. Der Körper ist die Grundlage für das Leben. Den Verstand brauchen wir, um das alltägliche Leben zu meistern. Die Gefühle steuern die Impulse. Sie motivieren, warnen und lassen einen spüren, wann etwas “passt” und wann nicht.

Jeder Mensch ist einzigartig. Und trotzdem gibt es Ähnlichkeiten. Diese Ähnlichkeiten nennen wir Charakterfixierungen. Sie rühren daher, dass jeder Mensch in einem dieser drei, im Körper, im Verstand oder im Gefühl, am meisten zu Hause ist. Charakter ist so etwas wie eine innere Struktur. Dem Enneagramm zufolge gibt es neun verschiedene Charakterfixierungen. Es sind:

  • Drei Körperfixierungen: die Acht, die Neun und die Eins.
  • Drei emotionale Fixierungen, damit sind die Gefühle gemeint: die Zwei, die Drei und die Vier.
  • Drei mentale Fixierungen, damit ist der Verstand gemeint: die Fünf, die Sechs und die Sieben

Für jede dieser drei Grundfixierungen gibt es ein zentrales Thema und ein Hauptgefühl. Für die Körperfixierungen ist das zentrale Thema, mächtig zu sein und die Dinge unter Kontrolle zu haben. Das Hauptgefühl ist die Wut oder der Zorn über das drohende Ende der Kontrolle. Für die emotionalen Fixierungen ist es das Wichtigste, geliebt zu werden. Das Hauptgefühl ist der Schmerz darüber, nicht geliebt zu werden. Für die mentalen Fixierungen ist es das Wichtigste, sich sicher zu fühlen. Das Hauptgefühl ist die Angst. Das innere Dreieck des Enneagramms zeigt die drei Hauptfixierungen, die Neun, die Drei und die Sechs. Bei diesen zentralen Punkten wird das Grundgefühl am meisten unterdrückt.

Die Neun unterdrückt die Wut oder den Zorn. Ihre beiden Nachbarn, die Acht und die Eins machen es anders. Die Acht richtet die Energie nach außen und haut auf den Tisch. Die Eins richtet die Energie nach innen. Sie will alles richtig machen und gerecht und perfekt sein.

Die Drei unterdrückt die Gefühle. Sie merkt nicht mehr, dass sie Alles tut, nur um Liebe und Anerkennung zu bekommen. Sie leistet z.B. viel, um zu bekommen, was sie braucht. Die Zwei richtet die Energie nach außen. Sie hilft gerne und sucht jemanden, den sie unterstützen kann. Das dient letztlich dem Ziel, selbst geliebt zu werden. Die Vier richtet die Energie nach innen. Sie fantasiert, fühlt sich als etwas Besonderes, doch leider unverstanden. Sie fühlt den Schmerz darüber.

Die Sechs nimmt die Angst meistens gar nicht wahr. Die Fünf richtet die Energie der Angst nach innen. Sie weiß alles und zieht sich zurück. Die Sieben richtet die Energie der Angst nach außen. Sie wird aktiv, macht Pläne. So fühlt sie sich sicher, weil sie immer etwas zu tun hat.

Das Enneagramm beschreibt den Menschen auf der Ebene der Charakterfixierung. Von außen wird die Charakterfixierung durch die Umwelt und die Persönlichkeit beeinflusst. Nach innen kann sie sich öffnen zu ihrer eigenen Essenz. Das eigene Grundgefühl wird erkannt und angenommen. Der innerste Bereich von Liebe, Stille und Sein reicht weit über das Persönliche hinaus.

Das Enneagramm beschreibt die Knoten der Ich-Fixierungen sehr genau. Durch liebevolle Aufmerksamkeit und durch achtsames Gewahrsein löst sich der Knoten auf. So wird Selbsterkenntnis möglich.

Das Enneagramm enthüllt, wie wir uns fälschlicherweise mit dem Ich als physischem, emotionalen und mentalen Körper identifiziert haben. Diese Identifikation kommt aus einem nicht untersuchten Glauben, dass wir ein physischer Körper oder unsere Gedanken oder unsere Gefühle sind.

Wenn die Muster der Identifikationen ans Licht kommen, kann man sie bei der Suche nach dem wahren Ich oder Selbst oder der Gottessohnschaft fallen lassen. Daher unterstützt das Enneagramm beim Erwachen.

Das Enneagramm geht davon aus, dass wir alle eine Art “Haupteigenschaft” haben. Das ist der Teil unserer ich-bezogenen Identität, der für uns am schwersten zu erkennen ist. Denn das übergeordnete Muster erscheint uns als so bestimmend, dass wir fälschlicherweise angenommen haben, wir seien dieses Muster.

Wie alles kann auch das Enneagramm missbraucht werden, z.B. dazu, das Muster beizubehalten, wenn es einmal erkannt wurde. Das Enneagramm dient dann der eigenen Rechtfertigung: “So bin ich halt!” Gemeint ist es aber als reflektierender Spiegel. Wenn wir die eigene Fixierung erkennen, können wir anfangen, mit uns selbst Frieden zu schließen. Wir können unserem wesentlichen oder eigentlichen Sein Ausdruck geben. Die Fixierungen sind dann keine Eingrenzung des Lebens mehr. Wir hören auf, die Dinge persönlich zu nehmen.

Ein anderer Missbrauch des Enneagramms besteht darin, es als Diagnose-Instrument für die Fixierungen anderer zu verwenden: “Ich wusste ja, du musstest als Acht so reagieren …” Dabei steckt man andere oder auch sich selbst in eine Charakter-Schublade.

Der sinnvolle Gebrauch des Enneagramms besteht darin, seine Weisheit für das eigene Erwachen einzusetzen. Es geht darum, dass unser wahres Wesen, das Selbst, oder Gottessohnschaft erkennbar wird.

Das Enneagramm ist eine alte Charakter-Typologie, deren genaue Herkunft unklar ist. Man kann sagen, dass die Lehre von den acht bzw. neun Leidenschaften des christlichen Wüstenmönchs Evagrius Pontikus (gest. 399) eine frühe Darstellung des Enneagramms ist. Vermutlich reicht die Entstehung aber in vorchristliche Zeit zurück. Im Mittelalter wurde das Enneagramm auch im islamischen Sufismus tradiert.

Die sogenannten mystischen Strömungen in den großen Religionen kommen sich sowohl im Blick auf die menschlichen Erfahrungen wie auch im Blick auf ihre Deutungen erstaunlich nahe. Daher wird heute mit dem Enneagramm in unterschiedlichen weltanschaulichen Zusammenhängen gearbeitet. Das Enneagramm stellt eine Verständigungsmöglichkeit zur Verfügung, die nicht konfessionell vorbelastet ist. Es kann eine Brücke sein, die man von unterschiedlichen Seiten aus begehen und in deren Mitte man sich begegnen kann. So dient das Enneagramm auch dem interkulturellen und interreligiösen Dialog.

Die spirituelle Haltung, die hinter dem Enneagramm steht, hat der deutsche Mystiker Johannes Tauler treffend beschrieben:

“Wenn der Mensch in der Übung der inneren Einkehr steht, hat das menschliche Ich für sich selbst nichts. Das Ich hätte gerne etwas und es wüsste gerne etwas und es wollte gerne etwas. Bis dieses dreifache ‘Etwas’ in ihm stirbt, kommt es den Menschen gar sauer an. Das geht nicht an einem Tag und auch nicht in kurzer Zeit. Sondern man muss sich hineinzwängen und sich daran gewöhnen mit emsigen Fleiß. Man muss dabei aushalten, dann wird es zuletzt leicht und lustvoll.”

Dann sind Sie herzlich eingeladen, an den Kursen zum inneren Erforsschen teilzunehmen. Hier erfahren Sie dazu mehr. Nehmen Sie zur Anmeldung bitte Kontakt mit mir auf. Impulse aus den früheren Kursen finden Sie im Download.