28.06.2020

Folge 5: Nach Hause kommen

Allgemein

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​In diesem Beitrag erfährst du

  • warum du nicht findest, solange du suchst
  • was dich daran hindert, nach Hause zu kommen
  • warum das, was du bist, längst da ist und nur freigelegt zu werden braucht

​Hier kannst den den Beitrag hören

​Die Unruhe fällt von dir ab

Kennst du Momente, in denen du den Eindruck hast, nach Hause zu kommen? Vielleicht erfährst du das nach einer längeren Reise, wenn du wieder heimkommst. Oder wenn du an deinem Lieblingssplatz sitzt und eine Tasse Tee trinkst. Oder wenn du dich in deiner Partnerschaft tief angenommen fühlst.

In solchen Momenten fällt die Unruhe von dir ab, die sonst dein Leben begleitet. Diese Unruhe lässt dich ständig danach suchen​, wie du nach Hause kommen kannst. Doch wenn du zu Hause ankommst, suchst du nicht mehr. Dann breitet sich eine Stille aus, die nichts braucht.

In solchen Momenten ahnst du vielleicht, dass es ein "Daheim" gibt. Man kann es Stille, Frieden, Erleuchtung oder Gott nennen. Wie du es nennst, ist nicht so wichtig.

​Meistens fühlst du dich nicht zu Hause

Doch die meiste Zeit deines Lebens fühlst du dich nicht zu Hause. Deshalb unternimmst du alles mögliche, um dorthin zu kommen. Vielleicht praktizierst du Meditation. Oder du betest. Oder du begibst dich auf eine spirituelle Reise und probierst verschiedene Praktiken aus, die dich an diesen Sehnsuchtsort versetzen sollen.

​Solange du suchst, glaubst du, dass das Gesuchte gerade nicht vorhanden ist. Du spürst einen Mangel, ein Loch in deiner Existenz. Dieses Mangelgefühl hält deine Bemühungen in Gang.  Du wendest deinen Blick nach außen und hoffst, vielleicht in der Zukunft das ersehnte Heimatgefühl zu finden. Die Suche aber führt weg von dem Ort, an dem du gerade bist: die Gegenwart. Suchen lässt dich nicht ankommen.

​Suchst du, was du bist, wirst du nicht finden

​Zu Hause sein - sein wohlgemerkt - das kannst du nicht in der Zukunft oder außerhalb von dir finden. Solange du suchst, was du bereits bist, wirst du es nicht finden. Das, was du in Wahrheit bist, kannst du nicht suchen, erreichen oder werden.

Stille, Frieden, Erleuchtung oder Gott kann daher kein Ziel sein. Das ist der Urgrund unseres Seins.

Der Urgrund ist nie gestört von etwas

Wenn also das, was du bist, immer da ist, dann kann es dir nicht fehlen. Auch dann nicht, wenn du es gerade nicht empfindest. Stille oder Gott - oder wie du es nennen möchtest - ist auch da, wenn es unruhig in deinem Leben zugeht und in deinem Kopf der Gedankenlärm tobt. Stille ist nie gestört von "etwas". Sie ist die Grundlage auch deiner Unruhe. Wie könnte Stille oder Gott gestört werden, wenn es die Grundlage ist von allem, was geschieht?

Unsere ganze Religion beruht darauf, dass wir glauben, wir hätten Gott durch unsere "Sünde" gestört und müssten das jetzt büßen. Das können wir getrost vergessen. Das bedeutet: eine Religion, die auf dem Glaubenssatz beruht, wir Menschen hätten durch unser Verhalten Gott erzürnt und Gott habe dafür seinen Sohn geopfert - die beruht auf Angst, nicht auf Vertrauen.

Wenn die Stille oder Gott der Urgrund des Seins ist, dann gibt es auch keinen Weg zur Stille oder zu Gott. Da ist kein Weg, kein Ziel und keine Anstrengung. 

​Meistens fühlen wir uns getrennt von zu Hause

​Trotzdem ist dir diese Stille meistens nicht bewusst. Im Gegenteil. Meistens bist du gedankenverloren. Du fühlst dich vom Auf und Ab der Gefühle beeinträchtigt. Was in der Politik, in der Familie oder im Beruf geschieht, beschlagnahmt die Aufmerksamkeit. So ist es nur verständlich, dass du dich nach Frieden und Stille sehnst. Die Suche beginnt.

​Die Suche beginnt außen

Zuerst suchst du außen. In der Partnerschaft, im Beruf, in bestimmten Erlebnissen - heute Event genannt -  in materiellen Dingen oder im Erfolg. Dahinter steht die feste Überzeuung, dass zum Glück noch etwas fehlt.

Je mehr sich die Sehnsucht nach außen richtet, desto mehr vergißt du, dass alles bereits in dir angelegt ist. Es ist wie mit dem Samen, der den vollständigen Baum bereits in sich enthält. Ebenso ist dir Glück, Stille, Weisheit, Friede und Gott immanent. Das kann dir niemand geben.

​Ein Gärtner kann den Samen bei seinem Wachstum lediglich unterstützen. Er kann für Wasser, Licht und Nährstoffe sorgen. Genauso kann das, was du bist, gesehen und gefördert werden - von dir selbst und anderen. Unser Wesen will erkannt und bekräftigt werden.

​Resonanz ist Leben

Kinder zum Beispiel benötigen die Resonanz der Eltern, um sich zu entfalten. Folglich sehnt sich ein Kind nach Zuwendung. Läuft alles gut, findet diese Sehnsucht eine Antwort. Wird sie aber nicht beantwortet, so entsteht ein Mangel, ein Loch in der Existenz. Das kann dazu führen, dass ein solches Kind im späteren Leben sich sehr grundsätzlich ungeliebt fühlt und zeitlebens nach der Liebe bei anderen Menschen sucht und dabei immer wieder enttäuscht wird.

​Die Suche wendet sich nach innen

Suchen wir das Glück außen, kann es uns jederzeit wieder genommen werden. Wird dir das allmählich klar, beginnt du, Frieden, Glück und Stille innen zu suchen. Du beginnst mit der spirituellen Suche. Aber auch dann bist du immer noch in der Falle der Suche gefangen. Wenn du meditierst, um zu finden, was du suchst, drehst du dich im Kreis. Was muss geschehen, damit dir wieder bewusst wird, wer du eigentlich bist?

Die Figur ist schon da

Stelle dir einen Bildhauer vor, der aus einem Steinblock eine Figur hauen will. Die Figur ist schon vollständig da, aber im Stein versteckt. Die Arbeit des Künstlers besteht darin, so lange von dem Block etwas wegzunehmen, bis die Figur sich herausschält und sichtbar wird. Der Bildhauer formt keine Figur, sondern er nimmt etwas weg.

Spirituelle Arbeit heißt: wegnehmen

​Genau das passiert in der spirituellen Arbeit. Wir sind Stille. Wir sind Frieden. Wir sind Gott. Also können wir es nicht werden. Aber wir können das wegnehmen, was die Sicht auf Stille, Frieden und Gott versperrt. Nicht dass dann irgendetwas an uns anders wäre, wir sind immer das, was wir sind. Der Unterschied ist: wir können es jetzt erkennen.

​Die wahre Natur freilegen

Wie der Künstler die Figur für die Augen des Betrachters freilegt, so will spirituelle Arbeit unsere wahre Natur für unser Bewusstsein freilegen. Das bedeutet: du darfst loslassen und wegnehmen, was den Blick verstellt.

Das ist völlig anders als bei unseren üblichen Bemühungen im Leben, wenn wir Ziele erreichen wollen. Normalerweise versuchen wir, Ziele dadurch zu erreichen, dass wir uns anstrengen und etwas anhäufen: Wissen, Geld, Erfolg, Kompetenzen.

​Wegnehmen, nicht anhäufen

In der Spiritualität ist es anders. Hier trachtest du nicht danach, mehr zu werden, sondern weniger.  Du suchst nicht nach etwas, das dir eine bessere Identität gibt. Du befreist dich immer mehr von der Schwere deiner Vorstellungen und Konzepte, wie das Leben zu sein hat. Du wirst also leichter. Bis du Stille verwirklichst. Bis du eins bist mit dem Leben, statt mit deinen Vorstellungen vom Leben. 

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