8.05.2020

In der hintersten Reihe meines Kopfkinos

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​In meinem Kopf tummeln sich manchmal merkwürdige Gestalten. Sie reden durcheinander und jeder will zu Wort kommen. Eine findet, dass alles zum Davonlaufen ist. Ein anderer ist erstarrt wie ein Panzer. Eine ist völlig durchgeknallt. Einer bereitet sich auf den finalen Kampf ums Überleben vor. Eine andere schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Einer fühlt sich völlig eingeschnürt. Eine ist nur noch schlapp und müde. Und einem steht das Wasser bis zum Hals. Und ich?

Hinweis: Die Meditationsanleitung findest du am Schluss des Beitrags.

Mit Vorliebe nachts

​Diese merkwürdigen Kopfgeburten melden sich mit Vorliebe nachts, wenn ich eigentlich schlafen will. Dann quatschen sie ohne Ende. Sie wälzen sich durch meine Gehirnwindungen und bringen auch meinen Körper ins Wälzen. Ich drehe mich von einer Seite auf die andere, zerwühle die Kissen und starre Löcher in die Dunkelheit. Dann stehe ich auf, greife zu einem Schlafmittel oder suche nach Essbarem im Kühlschrank und lege mich wieder hin. Was soll ich auch sonst machen? Erholung brachte diese Nacht wieder nicht.

Am Morgen fühle ich mich als ob ich an einer sehr anstrengenden Konferenz teilgenommen hätte bei der von vornherein klar war, dass nichts dabei herauskommen würde. Ungefähr so wie gestern, als ich in der Firma wieder einmal mehrere Stunden in Meetings saß, die wir uns alle hätten sparen können.  Sie haben uns keinen Schritt weitergebracht.

Noch ein Querulant

Diese merkwürdigen Dauerredner in meinem Kopf denken überhaupt nicht daran, die Klappe zu halten. Manchmal schicke ich einen Aufpasser zu ihnen. Der schnauzt die Herrschaften in meinem Kopf an und verdonnert sie zum Stillhalten, schließlich wolle der Inhaber des Kopfes seine Ruhe haben.

Doch damit ist nur noch ein weiterer unzufriedener Querulant dazu gekommen. Es ist hoffnungslos!

​​Wirklich? Gedanken sind manchmal anstrengend - aber nur wenn ich mich über sie aufrege. Ansonsten sind sie einfach - nun ja: Gedanken. Manche sind bedeutend und einige sagen mir gar nichts. Sie erzählen mir tausend Geschichten: wie ich sein sollte, was andere falsch gemacht haben, dass alles ein Missverständnis war und ich es ja nicht so gemeint habe und dass es nie wieder so schön werden wird, wie es einmal war und so weiter und so fort. 

Zuschauen und nichts tun

​Das große Blabla in meinem Kopf  wird sehr viel stiller, wenn ich mich setze und mal was ganz Abgefahrenes tue: nämlich nichts. Einfach nichts. Dann sitze ich nur da und betrachte mein Kopfkino wie ein Zuschauer, der gerade die tausendste Folge der Serie sieht: Wie ich meinem Hirn befohlen habe, mit dem Quatsch aufzuhören, den es produziert.  

​Dieses Leinwandprodukt hat noch nie einen Preis bekommen. Wie auch. Im Zuschauerrang ganz hinten auf der Empore fühle ich mich sicher vor den gruseligen Kopfgeburten. 

In der letzten Reihe meines Kopfkinos

Deshalb ziehe ich mich jeden Tag für einige Minuten zurück und gehe ganz bewusst in die letzte Reihe meines Kopfkinos. Dort glotze ich nicht etwa, nein: ich atme, gerne mit geschlossenen Augen. Den Film kenne ich ja schon. Ich höre dann nur noch den Ton ohne Bild. So ist der Gedankenfilm nicht mehr als Geräusch. 

​Dann kommt mir die zündende Erkenntnis, dass im Grunde alle meine Gedanken wie Geräusche sind. Mal leise, mal laut; mal quietschend, mal plätschernd; mal ächzend, mal genervt; auch blödelnd und sehr oft ganz vernünftig. 

Und das Allerbeste: ich habe den Regler für die Lautstärke selbst in der Hand. Außerdem habe ich von da hinten einen guten Überblick und fühle mich wie der Regisseur, der die Gedankenfiguren nach Belieben auf- und abtreten lässt. Manchmal sind die Gestalten in meinem Kopf ganz nützlich. Einige haben sogar großartige Talente und machen auf der Bühne meines Lebens eine richtig gute Figur. Ich fange an, sie alle zu lieben, fällt mir von hinten auf.  

Die Leinwand hat Platz für jedes Bild

​In der letzten Reihe des Gedankenkinos ist mein Kopf wie eine leere Leinwand mit viel Platz für jedes Bild, das mein Kopfprojektor darauf zeigt.  Alles, was draufkommt, kommt auch wieder runter. Es gibt kein einziges Standbild. ​Alle sind nur Gäste auf der Leinwand.

Gedanken sind wie Gäste

Beim Betrachten komme ich mir vor wie ein Wirt, der ihnen eine Tasse Tee serviert​ und mit ihnen ein bisschen plaudert. Dann sind sie meistens zufrieden und gehen auch wieder. Sie verabschieden sich artig, nicht ohne mir zu versichern, dass sie wieder kommen werden. Ich sage: ja, ist gut, beim nächsten Mal gibt es dann eine andere Sorte Tee. Und ich baue auch wieder die Leinwand für euch auf, da dürft ihr euch austoben. Nicht dass einer von euch meint, er wäre hier der Wirt. Ich habe festgestellt: meinen Kopfgästen gefällt dieser lockere Umgang. Neuerdings verschonen sie mich nachts mit ihrem Gelaber. 

Meine hinterste Reihe im Kopfkino besuche ich jeden Tag. Seitdem geht es mir richtig gut, auch zwischen zwei und vier Uhr morgens.

​​Meditationsanleitung

Lass dich einladen zu einem Besuch in der hintersten Reihe deines Kopfkinos. 15 Minuten reichen dafür. Setze dich an einen ruhigen Ort, schalte das Handy aus und lass dich von niemand stören - auch nicht von deinen Gedanken. Sitze und atme und lausche...


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