Supervision in 72070 Tübingen und in 72762 Reutlingen

Offene Denkräume gestalten

Mein Coaching für einzelne Personen und meine Supervision für Teams wollen dazu einladen, eigenständig zu denken und sich von eingrenzenden Annahmen zu befreien. Die folgenden Haltungen orientieren mich.

 

 

Was fördert kreatives Denken?

Vor dem Verhalten steht das Denken. Wie wir etwas einschätzen und beurteilen bestimmt, wie wir handeln. Was braucht es, damit wir frei, kreativ und eigenständig denken können? Untersuchungen haben gezeigt, dass es dafür ein unterstützendes und erlaubendes Umfeld braucht. Eigenständiges Denken kann sich entfalten, wenn wir keine Angst vor möglichen Konsequenzen haben.  Deshalb braucht kreatives Denken Freiräume, die wir im beruflichen Alltag oft nicht finden. In der Supervision und im Coaching fragen wir genauer, was wir denken, wie wir etwas einschätzen und was wir dabei fühlen. Die Freiräume für kreatives Denken öffnen sich, wenn die folgenden zehn Haltungen die Zusammenarbeit gestalten. Sie orientieren mich in meiner Arbeit als Supervisor und Coach:

 

Aufmerksam zuhören

Aufmerksames Zuhören ist geprägt von einem aufrichtigen Interesse am Denken einer anderen Person. Das Zuhören geschieht nicht, um das Gesagte zu bewerten, zu analysieren oder um gleich darauf etwas zu erwidern. Man hört vielmehr zu, um beim anderen weitere Prozesse des Denkens und Fühlens anzustoßen. Nimmt man diese Haltung ein, interessiert man sich nicht nur für das, was gerade gedacht und gesagt wird, sondern auch dafür, wohin sich das entwickelt. Man vertraut vollständig in die denkende und forschende Person und fragt: was möchte hier entstehen?

Bei dieser Art des Zuhörens sind Pausen und Phasen der Stille willkommen. Üblicherweise empfinden wir das als Zeitverschwendung. Es erscheint wenig produktiv, einfach nur bei der Entwicklung von Gedanken anwesend zu sein und dabei nichts beschleunigen zu wollen. Um die Pausen zu überbrücken, bieten wir oft eigene Gedanken oder gar Lösungen an. Oder wir glauben zu wissen, worauf die erforschende und denkende Person hinaus will und meinen, ihr Anliegen schneller auf den Punkt bringen zu können. Dabei wird allerdings eine förderliche Denkumgebung gestört, denn in der Stille entsteht manchmal etwas ganz Neues. Es können kleine Momente des Innehaltens, der kreativen Ratlosigkeit, des Loslassens und der Neuorientierung sein.

Aufmerksamkeit hat heilende Wirkung. Wir sehnen uns nach ihr und vermissen sie. Sie ist eine Einladung, in einen schöpferischen Prozess einzutreten – getragen von bedingungsloser und gewährender Aufmerksamkeit.

Sich auf gleicher Augenhöhe begegnen

Gleichheit bedeutet, dass wir einander auf gleicher Augenhöhe begegnen. Selbstverständlich gibt es Unterschiede im Wissen, in der Rolle und im Status der Mitglieder einer Gruppe oder eines Teams. Dennoch haben alle Mitglieder eines Teams die Fähigkeit zum eigenständigen Denken. Es geht viel Qualität und viel Potential einer Gruppe oder eines Teams verloren, wenn der Beitrag nur weniger Mitglieder zum Tragen kommt. Deshalb sind die Gedanken der Mitarbeitenden ebenso gefragt wie die der Vorgesetzten.

Gleichheit gilt auch für die Beziehung zwischen dem Supervisor oder Coach und denen, für die er arbeitet. Meine Aufgabe sehe ich darin, eine solche Begegnung auf gleicher Augenhöhe zu ermöglichen und zu halten – nicht darin, mich als Experten in Stellung zu bringen. Als Supervisor oder Coach wird man oft als Experte wahrgenommen oder sieht sich selbst in dieser Rolle. Doch das unterbricht das eigene, freie Denken. Ich weiß weniger als Sie darüber, wie Sie Ihr Problem lösen können. Ich kann Sie aber dabei unterstützen, es selbst herauszufinden.

Gleichheit gilt auch zwischen denen, die gerne und viel sprechen und denen, die sich eher zurückhalten. Deshalb wird es immer wieder Gelegenheiten für alle geben, ihren Beitrag zu äußern und der ganzen Gruppe zur Verfügung zu stellen.

Gleichheit schließt auch das Respektieren von Grenzen ein. Wir versuchen nicht, Gleichheit durch Übereinstimmung zu erzielen. Es geht nicht darum, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen. Wenn wir die Idee loslassen: “Denke wie ich, das könnte dir helfen” kann sich der Reichtum des Denkens aller zeigen. Dann kann wirkliche Begegnung geschehen. Wir geben also widersprüchlichen Perspektiven Raum und lassen sie wirken, um dann anschließend Entscheidungen zu treffen und Lösungen zu erarbeiten.

Gelassen bleiben

„Es ist dringend!“ Oft wird ein Gefühl von Dringlichkeit bewusst vermittelt, um anzutreiben, Tempo zu machen und die Bedeutung einer Tätigkeit hervorzuheben. So soll die Motivation erhöht werden. Selbst im privaten Leben ist es oft zu einem Automatismus geworden, entstehende Freiräume mit Aktion zu füllen. Lange To-Do-Listen müssen abgearbeitet werden und ständig kommt neuer Input.

Der Haken dabei ist: die Zeit zum Denken und inneren Erforschen kommt dabei zu kurz. Um die Qualität des Denkens zu erhöhen, brauchen wir absichtslose Räume ohne die Dringlichkeit, etwas bewirken oder tun zu müssen.  Dabei geht es um eine innere Haltung, die man seit Meister Eckhart als „Gelassenheit“ bezeichnet. Wir stehen nicht unter Druck, wir machen uns den Druck selbst.

Aus dem Gefühl der Dringlichkeit heraus handeln wir automatisch und entsprechend unseren nicht mehr hilfreichen Gewohnheiten. Wir ignorieren Informationen, die nicht ins Bild passen. Die Wertschätzung füreinander lässt nach und auch Unterschiede und Vielfalt können wir nicht mehr gelten lassen.

Als Coach und Partner beim erforschenden Denken gebe ich mir selbst die Erlaubnis, im Moment anzukommen, an diesem Ort, mit dieser Person oder Gruppe.  Deshalb beginne ich jede Sitzung mit einem mehrminütigen „Ankommen in Stille“, einer kurzen Meditation oder Konzentration auf den Atem. Das ermöglicht es mir selbst, präsent und gelassen im Hier und Jetzt anzukommen.

Die erforschende Person oder Gruppe bekommt Zeit, in aller Ruhe zu explorieren, mit welchem Thema sie sich beschäftigen möchte und welche Gedanken, Gefühle und Einfälle dazu auftauchen. Dabei unterbreche ich nicht. Wenn eine Denkbewegung zur Ruhe kommt, frage ich, ob noch etwas auftaucht. Das bewusste Zuhören ohne Einmischung erlaubt der erforschenden Person, in aller Ruhe und gelassen darauf zu aachten, was sich gerade zeigt. Es entsteht ein innerer Raum der Muße, ohne Zeitdruck und ohne Funktionalität. Ist dieser Raum nicht da, geht die innere Gelassenheit leicht verloren, das klare Denken hört auf und der Autopilot springt an. Wir „funktionieren“ nur noch. Das mag lange ausreichend sein, aber es „funktioniert“ meistens nicht mehr, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert oder das Leben uns vor eine neue Herausforderung stellt.

Wertschätzung zeigen

Es tut uns gut, uns von Zeit zu Zeit unter die „warme Dusche“ der gegenseitigen Wertschätzung zu stellen, indem wir ausdrücken, was wir an uns mögen oder prima finden. Wertschätzung verbessert das Denken, während es umgekehrt von Kritik beeinträchtigt wird. Wertschätzung stärkt die Bindung untereinander, die Angst beruhigt sich und es wird möglich, klar zu denken. Es gibt die Empfehlung, dass eine Kritik mit einer fünffachen Wertschätzung verbunden sein sollte, damit die andere Person auch weiterhin gut denken kann. Dabei geht es nicht darum, sich „gut zu fühlen“ oder sich gegenseitig einzulullen und die Augen vor den Schwierigkeiten zu verschließen. Eine wertschätzende Haltung kann vielmehr unseren Horizont  erweitern und wir sehen, was wir in einer überwiegend kritischen Atmosphäre gar nicht mehr wahrnehmen. Gefahren und Bedrohungen rücken sehr leicht in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Das hat uns zwar geholfen, zu überleben, aber unter den heutigen Lebensbedingungen wird das Zusammenleben sehr schwer, wenn wir nur noch über Fehler und Versagen sprechen.

Unser Geist arbeitet besser, wenn er ein umfassendes und kein einseitiges Bild von der Wirklichkeit hat. Deshalb ist es wichtig, den Blick darauf zu lenken, was gut läuft und das mitunter auch auszusprechen. Man kann z.B. eine Teamsitzung damit eröffnen, dass man die Frage stellt, was in der letzten Zeit gut gelaufen ist. Wenn da nicht viel kommt, kann man die Frage stellen: „Angesichts dessen, was in der letzten Zeit alles miserabel gelaufen ist, was sind ein oder zwei Dinge, die Hoffnung für die Zukunft machen?“

Auch zum Abschluss jeder Sitzung gibt es einen Moment der gegenseitigen Wertschätzung. Die erforschende oder denkende Person und der Coach oder Denkpartner erkennen eine Eigenschaft, die sie bei der anderen Person wahrnehmen, ausdrücklich an. Meistens haben wir erlebt, dass wir Wertschätzung bekommen für das, was wir tun, nicht für das, was wir sind. In unseren Sitzungen geht es darum, eine Qualität des Seins des anderen wertzuschätzen, weniger eine Qualität des Tuns. Wir unterscheiden zwischen Wertschätzung und Lob. Lob wirkt schnell von oben herab, ausgesprochen aus einer überlegenen Position. Wertschätzung nimmt unser Sein in den Blick.

Weil das Aussprechen von Wertschätzung ungewohnt ist und meistens vernachlässigt wird, macht es Sinn, es zu üben und es bewusst in unsere Sitzungen einzuplanen. Wertschätzung ist zentral für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und auch sonst. Es ist sehr einfach, die Welt blöd zu finden. Nur: das bringt uns keinen Schritt voran.

Eine wertschätzende Äußerung anzunehmen, ist manchmal auch eine Herausforderung. Wir können sie am besten mit einem einfachen „Danke“ ohne weiteren Kommentar annehmen. Danach wechseln wir die Rollen und geben eine wertschätzende Äußerung an den anderen zurück. Danach sind wir meistens motiviert, weiter zu denken und zu erforschen.

Ermutigen

Wenn wir einander zu eigenständigem Denken ermutigen, machen wir uns frei von Konkurrenz, Neid, Rivalität und Wettbewerb. Das ist unserem Arbeitsleben eine besondere Herausforderung. Wir haben uns daran gewöhnt, zu glauben, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Dabei zeigen entsprechende Forschungen, dass es die Kooperation ist, die uns beflügelt. Solange die denkende oder erforschende Person darüber nachdenkt, welches Denken von ihr möglicherweise erwartet wird oder wie die anderen das finden, was sie beiträgt oder ob es sich schlau genug anhört – solange ist sie unfrei und nicht im eigenständigen Denken.

Im Coaching oder in der Supervision wird mutiges, beherztes Denken nur in einem wettbewerbsfreien Raum möglich. Wenn jemand meint, die besseren Ideen zu haben, beginnt ein Wettlauf, der von Bewertungen angetrieben ist. Wenn jeder für sich alleine versucht, gut da zu stehen, haben wir kein Interesse daran, das Denken der anderen zu ermutigen und zu fördern. So bleibt das Potential der Gruppe oder des Teams ungenutzt.

Eine Art, zum Weiterdenken einzuladen, ist auch die Frage: „Was noch …?“ Wenn die erste Denkbewegung abgeschlossen ist und man meint, nicht mehr weiterzukommen, wird der Denkfluss durch diese Frage erneut angeregt. Das unterstützt dabei, die Gedanken und Gefühle noch weiter zu explorieren und Weiteres auftauchen zu lassen, was uns im ersten Moment nicht einfällt. Deshalb darf an dieser Stille auch kreative Stille eintreten.

Schließlich kann man eine wertschätzende Frage stellen, die zum Weiterdenken ermutigt: „Wenn du wüsstest, dass du dieses Problem lösen kannst, wohin würde dein Denken dich als Nächstes führen?“

Gefühle zulassen

Im beruflichen Umfeld vermeiden wir in der Regel den Ausdruck von Gefühlen. Schließlich wollen wir „kompetent“ und „sachlich“ erscheinen. Damit wir von unseren Gefühlen beim Funktionieren am Arbeitsplatz  nicht gestört werden, versuchen wir, sie erst gar nicht wahrzunehmen. Entsteht dann ein freier Raum des Erforschens, kommen tiefere Fragen an die Oberfläche, wie z.B.: „Bin ich gut genug?“ „Mache ich es richtig?“ „Was denken andere über mich?“ Oft zeigen sich Wut, Ärger und Hilflosigkeit im Umgang mit Konflikten am Arbeitsplatz. Diesen Gefühlen liegen oft  einschränkende Annahmen über sich selbst und andere zugrunde. Solange Gefühle im Verborgenen wirken, können sie nicht aufgelöst werden. Sind die Gefühle nicht gefühlt und zugelassen, wird das Denken eng. Wir entwickeln einen „Tunnelblick“. Das Unausgesprochene wirkt allerdings weiter durch Blicke, Gesten und unsere gesamte Haltung. Gefühle spielen eine wichtige Rolle in jeder Interaktion. Gefühle wahrzunehmen und sie auszudrücken kann daher ein Weg zu einem zufriedeneren Leben am Arbeitsplatz und auch sonst sein.

Deshalb lade ich den Sitzungen dazu ein, Gefühle zuzulassen, wenn  sie sich zeigen. Wir geben uns die Erlaubnis, anzuerkennen, dass diese Gefühle da sind. Als Zuhörende müssen wir nicht trösten, beschwichtigen oder abwiegeln. Oder gar dagegen argumentieren. Es ist nur wichtig, Gefühle anerkennend erscheinen zu lassen. Sind sie stark, handeln wir meistens nicht logisch und nachvollziehbar. Aber das einfache Wahrnehmen und Ausdrücken der Gefühle befreit uns wieder zu einem klareren Denken. Gefühle verändern und bewegen sich. Das ist nur möglich, wenn wir ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken. Schieben wir sie beiseite, werden sich unsere Gefühle auch unbewusst durchsetzen und unser Verhalten bestimmen, ohne dass wir und andere verstehen, was denn los ist.

Natürlich sind dem Ausagieren von Gefühlen Grenzen gesetzt. Es ist nicht produktiv, wenn wir unserem Ärger Luft machen, indem wir andere anschreien und ein Klima der Angst und Aggression erzeugen. Schärfen wir jedoch unsere Wahrnehmung für die Gefühle und lernen einen bewussten Umgang mit ihnen, sind sie eine wichtige Hilfe, uns zu orientieren. Dann müssen wir sie weder verdrängen, noch werden wir von ihnen überwältigt.

Informationen geben

Damit ein offener Denkraum entstehen kann, ist es nötig, wichtige Informationen bereitzustellen. Wir erleben heute eine wahre Flut von Informationen. Deshalb gilt es zu filtern, was denn für ein freies, eigenständiges Denken zu wissen wirklich not tut. Das kann vor einem Denkprozess geschehen und auch im Verlauf. Bei der Vermittlung von Informationen beschränkt man sich auf das Nötigste, was erforderlich ist, um gut weiter denken und erforschen zu können. Hat man eine Information gegeben, kann man wieder in den Denkprozess einladen, indem man fragt: „Und was denken Sie jetzt?“

Vor einer Sitzung betrachte ich es als meine Aufgabe, über die Grundlagen und die hier genannten Haltungen zu informieren. Denn sie verstehen sich nicht von selbst. Um sich wirklich eingeladen zu fühlen, einen offenen, nicht wertenden Denkraum zu betreten, braucht es die Information, dass dies hier erlaubt und gewünscht ist und weder der Coach noch andere Mitglieder des Teams sich in die Rolle des wissenden und wertenden Experten begeben.

Die Information bezieht sich nicht nur auf Daten und Fakten. Es geht dabei vor allem auch darum, Vermeidungen und Leugnungen verdeckt ablaufender Prozesse offenzulegen.

Geleugnet werden kann z.B. das, was tatsächlich vor sich geht, nach dem Motto: „Da schaue ich gar nicht hin, also ist es auch nicht da.“ Wird das Geschehen wahrgenommen, kann man es auch leugnen, indem man seine Bedeutung herunterspielt nach dem Motto „So schlimm ist es nun auch wieder nicht.“ Oder man leugnet es, in dem man die Schwierigkeiten schönredet und umdeutet nach dem Motto: „Eigentlich hat es ja auch etwas Gutes.“

Um „blinde Flecken“ in der Wahrnehmung offenzulegen, kann man z.B. fragen: „Was weißt du jetzt schon, was du in einem Jahr herausfinden wirst?“  Wir wissen oft jetzt schon, was wir nicht wahrhaben oder in seiner Konsequenz weiterdenken wollen. Es kann schmerzhaft, aber auch sehr ermutigend zu sein, offen auszusprechen, was man im Grunde schon weiß, aber lieber unter Verschluss hält, damit es nicht stört.

Vielfalt willkommen heißen

Vielfalt wird einerseits als erstrebenswert begrüßt. Diversität soll die Systeme offen und flexibel halten. Auf der anderen Seite erfahren wir Diversität auch als Bedrohung für gewohnte Sicherheiten. Insgeheim scheint doch eher die Homogenität wünschenswerter zu sein als die Vielfalt der Meinungen, Kulturen und Erfahrungen. In den sozialen Netzwerke sammelt man „friends“ „likes“ und „followers“ ohne je einem anderen zu begegnen. Dann sprechen wir von Echo-Kammern, in denen man sich gegenseitig bestätigt und das Andere nicht mehr vorkommt. Wir schätzen zwar die Vielfalt, aber nur solange wir bestimmte Werte teilen, ähnlich denken und ähnlich handeln. Diese Form der vermeintlichen Homogenität leugnet aber, was uns in unserer Vielfalt ausmacht. Daher schränkt es unser Denken ein.

Deshalb ist in unseren Sitzungen die Vielfalt der Erfahrungen, Zugänge und Denkweisen willkommen. Die Wahrnehmung eines möglichst umfassenden Bildes der Wirklichkeit schützt vor Kurzschlüssen und zu schnellen Schlussfolgerungen.

Meistens gibt es eine dominante Gruppe, die in der Mehrheit oder überlegen ist und die deswegen meint, es sollten alle so sein wie sie. Der Weg zu mehr Diversität führt über die Auseinandersetzung mit Vorurteilen in einem Team, einer Gruppe oder in der Gesellschaft. Sich bewertender und diskriminierender Annahmen über andere bewusst zu werden, entmachtet sie und ist daher emanzipatorisch. Es gibt viele Widerstände, sich das bewusst zu machen. Ist es uns bewusst, erlaubt es uns, wir selbst zu sein und eigenständig zu denken und zu handeln. Das ist es, was wir in unseren Sitzungen ermöglichen wollen.

Klärende Fragen stellen

Unser Leben und Arbeiten wird oft von verinnerlichten und unbewussten Annahmen bestimmt, mit denen wir uns die Welt erklären. Diese Annahmen erfüllen einen wichtigen Zweck. Sie geben uns Orientierung. Deshalb können wir auch nicht auf sie verzichten. Wohl aber ist es möglich, sich unserer Annahmen bewusst zu werden. Erst dann können wir entscheiden, welche unser Leben beeinflussen dürfen und welche nicht. Bestärken, ermutigen und unterstützen uns unsere Annahmen, sind sie förderlich. Wenn sie uns aber einschränken und blockieren, ist es Zeit, sie zu überprüfen.

Oft führen unsere Annahmen über uns selbst und die Welt zu Schwierigkeiten. Das geschieht besonders dann, wenn wir unsere Annahmen mit der Wahrheit verwechseln. Die Probleme entstehen also in unserem Denken. Dort können sie auch wieder gelöst werden. Eine einschränkende Annahme, wie z.B. „Das sollte nicht so sein!“ blockiert das Weiterdenken und damit auch das Handeln.

Klärende Fragen helfen uns dabei, genauer hinzuschauen. Dabei nimmt die Frage den gewünschten Zustand vorweg und unterstellt, man sei bereits dort, wo man sein möchte, z.B. „Mal angenommen, deine Probleme wären verschwunden, was würdest du dann als erstes tun?“ So werden neue Optionen und Sichtweisen möglich. Solche Fragen können wir auch als Haltung „verkörpern“. Dabei gehen wir davon aus, dass die denkende und erforschende Person längst die Schlüssel zur Lösung ihres Problems in den Händen hält. Diese Grundhaltung ermutigt zum Weiterdenken.

Wenn in einer Sitzung das Denken stagniert, lohnt es sich, nach der einschränkenden Annahme zu fragen: „Welche Annahme steht hier im Raum und hindert uns, an dieser Stelle weiterzudenken?“ So eine blockierende Annahme könnte sein: „Auf unsere Meinung kommt es ja gar nicht an.“ Dann lautet die klärende Frage: „Wenn wir wüssten, dass es auf unsere Meinung maßgeblich ankommt und sie die Entscheidung beeinflussen kann, wie würden wir dann vorgehen?“

Den Ort gestalten

Die Orte und die Art und Weise, wie ein Kurs- oder Sitzungsraum gestaltet ist, hat großen Einfluss auf die Atmosphäre, die nötig ist, um einen einladenden Denkraum zu erzeugen. Eine Blumendekoration und bereitgestellte Getränke empfinden wir als einladend. Wir fühlen uns erwünscht und willkommen. Es muss kein wunderbarer Raum mit toller Aussicht sein. Entscheidend ist, dass er eine Aura des Willkommens ausstrahlt. Unser körperliches Wohlbefinden ist eine Voraussetzung dafür, in einen offenen Raum des Erforschens einzutreten. Denn das Denken beginnt nicht im Kopf, sondern im Körper. Eine kurze Meditation, die ich meistens an den Anfang einer Sitzung stelle, erlaubt es, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen. Im Körper und im Moment angekommen, kann die Sitzung beginnen.

Sie wollen Ihre Teamsitzungen als einen offenen Denkraum gestalten? Gerne gebe ich Ihnen weitere Informationen: